Neuauflage meiner ausverkauften "Die drei ??? Kids"-Midis "Monster-Trucks" und "Insekten-Alarm" erschienen. Zum Beispiel hier gibt's den Band "Alarmstufe rot!"

Freitag, 20. Juni 2014

Gelesen: Tanja Kinkel, "Venuswurf"

Zunächst mal: Entschuldigt die kleine Verzögerung - ich wollte das ja schon längst hier eingestellt haben. Jetzt aber!

Wie ich dazu kam, ein für mich sehr untypisches Buch zu lesen, könnt ihr ja in den letzten beiden Beiträgen dieses Blogs schon nachlesen; meine Begegnung und Zusammenarbeit mit der Autorin Tanja Kinkel trägt daran die "Schuld".

"Venuswurf" von Tanja Kinkel.



Der Titel bezieht sich darauf, quasi alles auf eine Karte zu setzen, um es auf ein modernes "Sprichwort" umzusetzen.

Eins rasch vorab - die Autorin wird mich vielleicht schlagen deshalb :-)
Ich mochte die TV-Serie "Spartacus" sehr gern - wenngleich es dort meiner bescheidenen Meinung nach zu viel Sex und zu viel Blut-Gliederabhacken gab. Aber die Intrigen der Figuren waren sehr, sehr gut und spannend.  Und was das angeht, erinnerte ich mich während der Lektüre immer mal an die Serie - auch was den Punkt "Leben als Sklave im Alten Rom - wie war das so" angeht. Sicherlich ist Tanja Kinkel merklich "realistischer", aber das steht auf einem ganz anderen Blatt.
Nur zur Sicherheit: Wer nun Spartacus-artige Blut-und-Sex-Exzesse in der Nebenhandlung erwartet, der wird enttäuscht werden. Zum Glück :-). Wobei das Buch zum Thema "Prostitution" schon einiges zu sagen hat ...

Das Buch spielt im alten Rom und behandelt einige historische Ereignisse; den Sturz der Augustus-Enkelin Juli(ll)a vor allem. Warum das eingeklammerte Doppel-L, das kann jeder leicht erfahren, der das Buch liest. Ein historischer Roman, also. Für mich sehr untypische Lektüre. Und ich mochte das Buch auch nicht ... ich liebte es.

Die Autorin versteht es hervorragend, die Charaktere dermaßen lebendig zu gestalten, dass man einfach wissen MUSS, wie es ihnen ergeht, dass man an ihrem Schicksal Anteil nimmt. In diesem Buch war das für mich die Figur der Zwergin Andromeda oder Tertia oder ... nun, sie hat viele Namen, verliehen jeweils vor allem von einem nicht ganz unbekannten Dichter der alten Zeit, der auch eine prominente Rolle spielt im Buch - Ovid nämlich.

Im Roman entstehen ganz nebenbei die "Metamorphosen" des berühmten Dichters, ein Werk, von dem die meisten wenigstens schon einmal gehört haben dürften. Das ganze ist aber keinesfalls "literaturwissenschaftlich trocken" serviert, sondern höchst lebendig - und präsentiert dadurch auch Tanja Kinkels Version, wie es dazu kommen konnte, dass ein derart bekannter und zu seiner Lebzeit schon geachteter Dichter in die Verbannung geschickt werden konnte.

Ich will nicht viel über den Inhalt des Romans erzählen - wie gesagt, riss mich die Figur der Zwergin völlig mit und machte die historische Kulisse für mich sehr lebendig. Auf den ersten Seiten ist sie gerade von ihrem Vater in die Sklaverei verkauft worden und wird nach Rom geschafft; gekauft wird sie von einem Freigelassenen (sozusagen einem Ex-Sklaven), der eine Garküche besitzt, in der er (mehr oder weniger heimlich) ein Bordell führt.

Kein sonderlich schönes Lebensumfeld für unsere Zwergin, und die Schilderungen sind z.T. auch ein ganz klein wenig derb, aber stets "sauber" und mit Anstand geschrieben. Wohl, wie es eben so zuging, in einem römischen Bordell. Dort endet Andromedas Lebenslauf aber noch lange nicht. Sie setzt bald auf ihren "Venuswurf", genau wie eine Frau ganz, ganz anderer Herkunft: Eben die Enkelin des Princeps, des mächtigsten Mannes in Rom: Augustus. So wird sie in die ganz große Politik des Römischen Reiches hineingezogen.

Nebenbei erfahren wir sehr viel aus dem Alltagsleben in alten Rom, die Hintergründe sind sehr intensiv recherchiert; das geht vom Fäkalieneimer bis hin zum "Standardgewürz" der Zeit, für das es im sehr interessanten Anhang an den Roman auch gleich das Rezept gibt - mit folgendem Hinweis: "Wenn sie dann eine hässlich-graue Flüssigkeit mit grünen Punkten vor sich haben, sind Sie sehr nah am Original. Guten Appetit!"

Der ganze Anhang ist übrigens auch toll - von gestrichenen Szenen bis hin zu Hintergrundinfos und einem sehr kenntnisreichen, klugen Interview.

Lektüre für alle, die einen interessanten, lebendigen, spannenden Blick in eine andere Zeit werfen wollen - von Sklaven, Frauen, Bordellen, Dichtern und großer Politik im alten Rom.

Hier gibt's das Buch.

In meiner Tanja-Kinkel-Woche geht's morgen weiter mit dem bereits angekündigten Spezialinterview mit der Autorin, in dem es (fast) gar nicht um ihre literarische Arbeit geht. Danach ist auch jeder bereit zu verstehen, was das ganze mit meinem 40. Geburtstag zu tun hat :-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen